Dienstag, 10. März 2009

Solarbetriebene E-Books


English abstract: Dear industry, please build solar powered e-book readers. Thank you.

Die Elektrobücher kommen. Was fehlt sind richtig gute Lesegeräte.

Ein wirklich verwendbarer Reader muss wie folgt beschaffen sein, damit ich mir auch einen zulege: man muss es sich damit auf einem Sessel, im Bett und auf dem Klo schön bequem machen und stundenlang darin lesen können und wollen und er darf keine externe Energie verbraten.

Format zwischen A5 und A4, aufklappbar wie ein Buch. Innen ist rechts der Monitor und die notwendigsten Navigationselemente: Vor- und Zurück-Taste, Vergrößern, Verkleinern, Scrollen, Startmenü, Goto, An/Aus, möglichst wenige Funktionstasten, Mausknubbel. Die linke Innenseite des Buches besteht aus Solarzellen, die das Ding ohne Stromzufuhr von außen bei Tageslicht oder normaler Zimmerbeleuchtung mit genügend Strom versorgen. Nur dann ist es wirklich als vollwertiger Buchersatz zu sehen, denn Lesen mit Kabel oder der Furcht, dass an der spannendsten Stelle der Akku leer ist, macht keinen Spaß. Taschenrechner werden ja schon lange von geradezu winzigen Solarzellen versorgt, von daher sollte eine größere Fläche auch einen sparsamen Monitor mit etwas Hardware betreiben können.

Wir hätten dann ein einfach zu bedienendes Gerät, das im laufenden Betrieb energieneutral ist. Haltbar und stabil muss es natürlich auch noch sein, der Monitor und die restliche Hardware muss Stöße gut aushalten können. A pro pos Hardware: Wechselspeicher (standardisierte Speicherkarte), USB-Ports um nicht notwendige, aber manchmal nützliche Sachen dazu stecken zu können wie Tastatur und W-Lan-Stick. Die Prozessorgeschwindigkeit muss nicht hoch sein, keine Grafikbeschleunigung, kein Sound. Die Technik muss solide sein, aber im Vergleich mit einem PC nicht sehr leistungsfähig. Akku ist nur ein sehr kleiner notwendig, um Lichtausfälle von maximal zwei Minuten überbrücken zu können. Nach einer Minute Lichtmangel fährt das Gerät ordnungsgemäß herunter, um bei einem Neustart dann da weiter zu machen, wo es stehen geblieben war.

Das Gerät muss gut in der Hand liegen und angenehm anzufassen sein. Es sollte einen weichen, robusten Umschlag haben, Stoff, Leinen, Kunstleder oder so etwas, ein Material, das man gerne auf dem Schoß liegen hat, gepolstert. Mit dem schönen Nebeneffekt, dass es so besser geschützt ist. Es darf natürlich nach außen hin nicht heiß werden und muss ohne sichtbare Lüftungsschlitze auskommen. Spritzwasser darf ihm nichts anhaben. Das Material muss frei von Giftstoffen und umweltverträglich sein. In die Hülle kann man eine klettverschlossene Tasche für Speicherkarten integrieren. Auf der Außenseite prangt kein angeknabberter Apfel.

Die Software: freie Systeme, um nicht an einen Hersteller oder Anbieter gebunden zu sein. Linux-basiert, mit PDF-Reader, Plucker, schlankem, aber JavaScript-fähigem Browser, Bildbetrachter und minimalem Office, letzteres nur für Notizen. All diese fähig zu Unicode. Keine Unterstützung von DRM und ähnlicher Kundenbevormundung. Dateien müssen ohne Einschränkung kopiert werden können. Proprietäre Formate werden nicht interpretiert. Filme müssen nicht abgespielt werden können, Adobe Flash, Quicktime und dergleichen brauchen nicht unterstützt zu werden. Eine zuschaltbare Softwaretastatur ermöglicht das Eintippen von z.B. Webadressen in den Browser mit den Navigationstasten. Hoch- und Runterfahren muss sehr schnell gehen, im Idealfall wird der Benutzer davon nichts mitbekommen. Eine komfortable, kontextsensitive Suche in einer Datei oder in mehreren wäre enorm vorteilhaft. Alle mitgelieferten Programme befinden sich auf einem fest integrierten Flash-EEPROM.

Beim Start wird der Speicherkarteninhalt angezeigt, also die vorhandenen E-Books, PDF-, HTML-, ODT- oder TXT-Dokumente, Bilder und Ordner. Die Ordnerstruktur kann man entweder auf einem beliebigen PC oder auf dem Gerät selber bearbeiten. Die Navigation muss auch ohne Hardwaretastatur uneingeschränkt möglich sein.

Es gibt bereit sehr viele E-Books im Internet, es wäre aber wünschenswert, wenn Verlage ihr ganzes Sortiment auch als E-Book anbieten würden und zwar nicht umsonst, doch aber für einen deutlich geringeren Preis als für das papierene Buch. Und dann lasst die Leute fröhlich kopieren, denn wenn das Buch gut ist, werden sie auch bereit sein, ein bis zwei Euro dafür zu zahlen, ohne dem Verlag viel zusätzliche Arbeit zu machen. Richtig gemacht ist der Vertrieb von E-Books für alle Beteiligten ein Gewinn, denn die Bücher können so in Zukunft eine wesentlich höhere Verbreitung erreichen.
Eine Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit Verlagen wäre es, eine Seite mit kostenpflichtigen Downloads von E-Books möglichst einfach im Gerät verfügbar zu machen und einen einfachen, transparenten Zahlvorgang dort für die Geräteinhaber zu ermöglichen. Wichtig ist aber, dass dies nicht die Verfügbarkeit anderer Angebote einschränkt, nicht verpflichtend ist und dass die Nutzer wirklich merken, wenn sie etwas zu zahlen haben und wissen, was sie dafür bekommen. Verlage und Autoren müssen für die Zusammenarbeit gewonnen werden, denn das jetzige Angebot reicht noch lange nicht aus. Schließlich brauche ich so ein Gerät nicht für ein oder zwei Bücher, sondern für dutzende oder hunderte.

Viele Bücher sind übrigens schon verfügbar: die Klassiker, an denen die Rechte abgelaufen sind. Project Gutenberg beispielsweise hat hier eine riesige Auswahl. Einige Werke könnte man in schön aufbereiteter Form als PDF dem Gerät beilegen, andere zum freien Download anbieten und auf dieser Downloadseite sehr erfolgreich Werbung für das Gerät machen. Auch kann man ganze Speicherkarten mit Spezialinhalten anbieten, denkbar wären z.B. eine Wikipedia-Karte, eine mit sämtlichen Werken Goethes, etc. Der Vielfalt sind keine Grenzen gesetzt, nur die der Vorstellungskraft. Eine schön gestaltete Goethe-Speicherkarte mit Portrait vom großen Meister vorne drauf und dessen Werken innen drin für wenige Euro wäre wohl eine erfolgreichere Vermittlung von Kultur als die meisten hochsubventionierten Projekte.

Ein entscheidender Punkt für den Erfolg des Gerätes ist natürlich der Preis. Auch deswegen stelle ich keine hohen Ansprüche an die Hardware, um diesen so niedrig wie möglich zu halten. Um wirklich eine große Verbreitung zu finden, sollte das Teil nicht mehr als 300 Euro kosten. Deutlich niedriger wäre wünschenswert und irgendwann sicher auch machbar. Dann noch 10 Euro für die anstöpselbare Tastatur, die man aber zur normalen Bedienung des Gerätes nicht unbedingt benötigen sollte.

So ein Gerät hätte das Potenzial, alsbald als unverzichtbar zu gelten und immer mit dabei zu sein. Vor allem auf Grund der Unabhängigkeit vom Strom. Mit effizienterer Solartechnik kann die Leistungsfähigkeit des Gerätes steigen, bis man einen vollwertigen Laptop aber auch in mitteleuropäischen Breiten bei Bewölkung laufen lassen kann, wird es wohl noch etwas dauern. Aber ein leistungsschwaches Lesegerät, da bin ich mir sicher, könnte schon jetzt rein mit einem integrierten Solarmodul betrieben werden und könnte bald zum alltäglichen Bild in unseren Städten gehören. Also legt mal los, liebe Industrie. Ich kaufe mir sicher eines, sobald es fertig ist und ich bin bestimmt nicht der Einzige.

Samstag, 7. März 2009

Selbstportrait als Geist




Selbstportrait als Geist (Self-portrait as a ghost), 789 * 900 px.

Es wohnt nicht jeder in einem alten Schloss. Und wenn man daher keinen Hausgeist hat, muss man halt selber manchmal so tun als ob.

Kamera: Sony α300
Objektiv: Sigma DC 18-200mm
Stativ: Hama Dreibeinstativ
Belichtungszeit: 30 Sekunden, nach 12 Sekunden bin ich aus dem Bild
Beleuchtung: indirekt durch wenig Licht im Nebenraum
Effekt: Skript-Fu Filter 'Altes Foto' von Gimp
Ort: daheim
Idee: nüchtern

Sonntag, 1. März 2009

Sternenstaub


Die Reise war lang und einsam gewesen, aber das machte ihm nichts aus. Die äußeren Schichten, wo sich so viele seinesgleichen finden, waren nur noch ein lange zurück liegender Traum, ebenso wie all jene, die er dort zurückgelassen. Aber er wusste noch wie zu Beginn der Reise, warum er sich auf den Weg gemacht hatte und der Grund war bei ihm der gleiche wie bei all den anderen, die vor ihm diesen Weg angetreten hatten. Es galt zu beobachten, einen Blick nach Innen zu werfen, was da so passierte, was nahe des heißen, unsteten Zentrums vor sich ging, wo die Umdrehungen kurz und der Zerfall rasch war. Von den vielen, die vor ihm da waren, kamen einige wieder zurück und hatten interessante Dinge zu berichten. Andere sah man nie wieder und von manchen wurde sich erzählt, sie seien dort verloren gegangen und mit dem Inneren eins geworden. Zu welchen er gehören würde, wusste er noch nicht. Er würde sehen, sich das Gesehene merken und wenn es denn ginge, irgendwann, berichten. Und die anderen würden zuhören und wieder etwas Neues erfahren von dem geheimnisvollen Inneren, das so nahe an dem gleißenden Licht lag, dass man es vom Außen her nicht wahrnehmen konnte.

Der Komet spürte die Kraft, die von der Sonne ausging bereits, als er die Bahn des Jupiter passierte. Er wurde merklich zu dem Zentralgestirn hingezogen, wusste aber, dass er in sicherem Abstand vorbei ziehen würde. Auch was ihn hinter dem Jupiter erwartete war ihm bekannt und er empfand eine tiefe Freude, als er von Weitem von Myriaden entfernter Verwandter begrüßt wurde. Diese formten einen Ring, nicht wie die daheim eine Sphäre und sie waren viel mehr der Geschwindigkeit und Unruhe unterworfen. Jupiter, der von ferne hinter dem Ring hervorlugte, hatte das Sagen über diese Bahnen, er bewachte den Ring und hielt ihn fest, zusammen mit dem viel kleineren Mars im Ringinnern. Mars, das war der Anfang des Zentrums, hier erfüllte sich der Auftrag der Reise. Und hier war es auch, wo er jenes prachtvolle Aussehen annahm, das seine Art nur dort zur Schau stellen kann und nur für kurze Zeit. Seine Oberfläche begann zu beben, kleine Teile wurden ihm entrissen und sammelten sich um ihn herum als Wolke. Es lag ihm fern, aber es musste wohl den Eindruck erwecken, als ob er sich aufplusterte. Dann aber stieß das Innere Licht in die Wolke und blies sie fort in einem Schweif, für den die Kometen hier berühmt sind, der aber in ihrer Heimat irreal, fehl am Platz, ja lächerlich gewirkt hätte. Ihm gefiel das, es war eine vorher nie gekannte Erfahrung. Nun merkte er auch zum ersten Mal, dass er eine Farbe hatte, er war grün. Grün fand er schön, das war die mysteriöse Farbe des Lebens, auch wenn er selbst mit dem Leben nichts zu tun hatte. Sein Grün hätte auch jegliches Leben sofort getötet, das mit ihm in Berührung gekommen wäre. Er wusste, dass dies immer noch geschehen konnte, jedoch nicht wahrscheinlich war.

Der Innere Bereich, Ziel und Zweck der Reise, war rasch durchlaufen. Wie ein strahlend grünlicher Feuerball, der doch in Wahrheit aus Eis bestand, war er für kurze Zeit die Attraktion des Inneren Himmels. Erde und Venus huschten durch sein Blickfeld, ganz in Blau die Erde, wo es jenes grüne Leben gab und für ihn neue, hochentwickelte Wesen mit einem merkwürdigen Zerstörungstrieb. Die Erde markierte fast genau den Punkt, wo seine Hinreise zu Ende war und seine Rückreise begann. Noch einmal sah er zurück zu dem Inneren Feuer und dessen stetigen Begleitern. Eine lange Zeit der Einsamkeit stand wieder bevor, der tiefe Blick ins endlos schwarze All mit seinen zahllosen, winzigen, leuchtend bunten Punkten und Klecksen, arrangiert zu einem sich langsam, dennoch stetig ändernden Ganzen. Er würde wieder viel Zeit und Ruhe haben, um das Gesehene zu reflektieren. Er würde zu seinen Kollegen in die äußere Sphäre zurückkehren und berichten. Ob er irgendwann einmal wieder nach Innen kommen würde, wusste er nicht, wenn dann würde es sehr lange dauern. Währenddessen, wenn in seiner Heimat Außen nicht viel passierte, würde sich Innen einiges ändern, vor allem auf dem blauen Planeten mit dem Grün. Jetzt ging es wieder hinaus ins All. Heim.

Auf Wiedersehen Lulin.